Biographie

Die Sage vom weiten Weg der STERN - COMBO MEISSEN

Sie begannen mit Schlagern und Beat, bliesen den sächsischen Funk, zelebrierten mit ihren Keyboards große Werke wie “Weißes Gold” und lockten dann die Teenies mit Synthie - Pop in die Säle. Der weite Weg der STERN - COMBO MEISSEN - da sind vierzig Jahre spannende ostdeutsche Rockgeschichte, zu hören auf 11 Alben und immer wieder live.

Heute klingt es wie eine Sage aus längst vergangener Zeit, dass sich anno 1964 sechs junge Männer in Meißen zusammenfanden und zu musizieren begannen. Den Namen und das Equipment hatten die Sechs von einer früheren Betriebskapelle übernommen, welche u.a. auch ihre Notenpulte mit dem Namen STERN - COMBO MEISSEN hinterlassen hatten.
Im Herbst 1964 kreischten die Mädels weltweit zu den Klängen der Beatles. Doch die Meißner “Sterne” begannen erst mal brav: Sie gaben deutsche Stimmungsmusik auf Tanzvergnügen der reifen Jugend zum Besten.

Eine Nacht voll Seligkeit
Bald aber kannten die Musiker um Schlagzeuger Martin Schreier, Norbert Jäger, Bernd Fiedler, Werner Bertram, Gottfried Sieber, Günter Manicke und Detlef Seidel nicht nur “Rosamunde”. Mit den Hits der Beatles und Stones, Kinks, Byrds und Bee Gees ließen sie es in den sächsischen Tanzsälen brodeln und brachten manchen staatlichen Kulturwächter zum Kochen.

Also was soll aus uns werden
Nach sieben Jahren Hin und Her zwischen Lehre, Beruf und Musik wurde die Stern - Combo eine Berufskapelle. Alle Musiker ließen sich an der Dresdner Musikhochschule Carl Maria von Weber in der Kunst des Musizierens und Tonsetzens unterwiesen. Ihr neuer Leitstern aber wurde amerikanischer Soul und Funk. Bläser kamen in die Band und spielten Titel von Chicago, Blood, Sweat & Tears und den Temptations. Eine blutjunge Sängerin namens Veronika Fischer sang den ersten Titel für eine Schallplatte “Ein Tag in der Stadt”. 1972 stieß Reinhard Fißler zur Combo.

Tausche Weißes Gold

Kein Professor konnte ihnen beibringen, wie die Band an professionelle Technik kam - die gab´s in keinem volkseigenen Laden. Zum Glück fertigten verbündete Tüftler und Bastler immer wieder einzigartige Lautsprecherboxen, Mischpulte und Endstufen. Auch die Herkunft aus der Porzellanmacherstadt Meißen war von Nutzen: So mancher Koffer voller “Weißes Gold” wurde gegen Mikrofone, Lautsprecher, etc. in heißen Kisten getauscht.
Und ich ruf den großen Weltgeist
Eine reine Pflichtübung war das Musikstudium beileibe nicht - die Klassik spornte die Stern-Musiker und Mitstreiter zu großen Würfen an. International hatten Gruppen wie Emerson, Lake & Palmer oder Ekseption mit Klassik-Adaptionen für Aufsehen gesorgt. Die STERN - COMBO MEISSEN erreichte mit ihren Versionen von Stücken von Mussorgski und Sibelius ein breites Publikum. Noch heute assoziieren viele Fans “Stern Meißen”, wenn sie Vivaldis “Frühling” hören. Eigene Stücke wie “Der Kampf um den Südpol”, “Der weite Weg”, “Der Motor” , “Die Sage” und “Der Alte auf der Müllkippe” sind heute Klassiker des deutschen Rock und werden von der Band auf jedem Konzert zelebriert. In den besten Stücken fanden die Keyboards und die funkige Rhythmusgruppe zu einer ganz eigenen Spielart zusammen. Das Konzertalbum “Reise zum Mittelpunkt des Menschen” überrascht immer noch Freunde des Elektronik-Rock im Westen - so etwas hatte sie der ostdeutschen Gilde nie zugetraut.

Der Kampf um den Spitzensound
Eine Expedition in neue Klangwelten unternahm die Gruppe mit dem aufwendigen Aufbau ihrer Soundtechnik, der in der DDR damals unerreicht blieb. Thomas Kurzhals, Lothar Kramer, Norbert Jäger bedienten eine Armada von Keyboards, Mini-Moogs, Synthesizer und anderen Tasteninstrumenten. Sogar eine Art Quadrophonie drang in die Ohren der beeindruckten Hörer.

Ein neuer Motor in der Brust
Anfang de achtziger Jahre aber war auch im Osten der Höhepunkt des ambitionierten Klassikrocks der Marke “Weltall-Erde-Mensch” überschritten. Das Publikum suchte direktere Ansagen und knackigere Songs. Bandchef Martin Schreier holte mit dem jungen Uwe Haßbecker wieder einen Gitarrero in die Band, nach zehn Jahren Bandgeschichte ohne Gitarre. Die neue Stimme von “Stern Meißen” wurde Ralf Schmidt. Reife Anhänger blieben weg, neue, meist weibliche Fans kamen zu Tausenden hinzu.
Zum ersten Mal hatte “Stern” einen richtigen Star. Mitte der 80er hatte die Band nicht nur einen neuen Motor in der Brust, sondern war ein ganz anderes schnittiges Gefährt geworden. Kurz vor der Wende 1989 blieb es stehen.

Die Rückreise zum Mittelpunkt der “STERN - COMBO MEISSEN”
Als Bandmanager Detlef Seidel (seit 1965 dabei) Ende 1995 die Band wieder zusammentrommelte, bauten sie auf ihre klassische Zeit - mit Repertoire, Besetzung und dem alten Namen. Mit Martin Schreier, Norbert Jäger, Schlagzeuger Michael Behm und Sänger Reinhard Fißler stehen Musiker aus der legendären Besetzung von 1964 bzw. der späten Siebziger auf der Bühne.  Der Zusammenschluss mit den Bands Lift und electra zum Gesamtkunstwerk “Sachsendreier” zog seit 1997 zehntausende Zuschauer an. Inzwischen haben sich Musiker wie Fans auch mit dem kompletten wechselvollen Bandgeschichte versöhnt.

Auch im 45igsten Jahr drehte sich das Personenkarussell bei STERN-COMBO Meissen erneut, seit Juli 2008 spielt die Stern-Combo Meissen in folgender Besetzung:

  • Martin Schreier (dr/voc),
  • Norbert Jäger (perc/voc),
  • Thomas Kurzhals (keyb.),
  • Sebastian Düwelt (keyb),
  • Michael “Larry” Brödel (voc/git),
  • Frank Schirmer (dr/voc),
  • Axel Schäfer (bg).

Wobei zu erwähnen ist, dass der langjährige Keyboarder und Komponist Thomas Kurzhals wieder auf die Bühne zurückkehrt. Axel Schäfer und Frank Schirmer spielten bereits in den 80igern bei “Stern”. Die neue Stimme von Stern kommt aus Leipzig und heißt Michael “Larry” Brödel (44). Er war ein absoluter “Stern-Fan” und jetzt ist er Frontmann dieser Band (eine Stimme die zu Stern
passt!)

Fünfundvierzig Jahre Leben - und noch lange nicht kaputt!
Detlef Seidel